HOME HOME

Barhufpflege Andreas Dold

Natural Hoof Care Böblingen


die Zehe

zuletzt aktualisiert am 30.11.2014

Über die richtige Zehenlänge gibt es immer wieder Diskussionen. Ungeschulten Beobachtern kommt die Zehe bei der Bearbeitung nach NHC oft zu lang vor. Daher möchte ich hier einmal verschiedene Bearbeitungsmethoden, die dabei beobachtete und die tatsächliche Zehenlänge genauer vorstellen.

Im ersten Bild ist die Zehenwand im Querschnitt dargestellt nachdem die Wand gegebenenfalls gekürzt und plan geraspelt wurde. Der dunkelgraue Teil ist die äußere Zehenwand. Der hellgraue Teil ist die innere Zehenwand.

Hufwand

Der Abrollpunkt A wäre hier ganz vorne (links im Bild). D.h. das Pferd müsste den hinteren Teil des Hufs weit nach oben ziehen um sich über diesen Abrollpunkt nach vorne bewegen zu können. Oder es zieht gleich den ganzen Fuß nach oben weil es über diese lange Zehe ohnehin nicht richtig abrollen kann. Biodynamisch ist das eine Katastrophe. Muskelverspannungen wären vorprogrammiert.

Bearbeitung Typ S

Im zweiten Bild (Bearbeitung Typ S) sieht man die Bearbeitung wie sie z.B. Hufschmiede gerne durchführen.

Typ S

Die Zehenwand wird von außen stark beraspelt um die Zehe zu kürzen. Der dunkelgraue Teil im Bild wird also entfernt. Der Abrollpunkt A kommt dadurch weiter nach hinten (rechts im Bild). Das Pferd hat es deutlich leichter über die Zehe abzurollen. Betrachtet man den Huf von außen, dann kann man direkt den Abrollpunkt sehen.

Allerdings hat man es hier weniger mit einem Abrollpunkt zu tun, sondern vielmehr mit einer Abbruchkante. Der Huf rollt nicht wirklich ab, sondern kippt über die Kante nach vorne. Zudem wurde die Wand im unteren Bereich deutlich dünner, also geschwächt.

Bearbeitung Typ N

Im dritten Bild (Bearbeitung Typ N) sieht man die Bearbeitung nach NHC.

Typ N

Die Zehe wurde abgerundet, so wie man es bei gesunden wild lebenden Mustangs vorfindet. Auch hier wurde der dunkelgraue Teil im Bild entfernt. Auch hier kommt der Abrollpunkt A weiter nach hinten (rechts im Bild) und das Pferd hat es deutlich leichter über die Zehe abzurollen. Übrigens findet man eine solche Zehe nicht nur bei Mustangs, sondern auch bei artgerecht gehaltenen Pferden mit viel Bewegung auf hartem Untergrund. In dem Fall hat der NHC Hufbearbeiter dann also nichts zu tun - jedenfalls nichts an dieser Zehe.

Es fällt auf, dass hier viel weniger Material der Hufwand entfernt wurde (der dunkelgraue Teil im Bild). Trotzdem ist der Abrollpunkt nun an der gleichen Stelle wie bei der Bearbeitung Typ S. Und es ist nun tatsächlich ein Abrollpunkt und keine Abbruchkante. Der Huf kann weich abrollen ohne ruckartiges Kippen.

Bei flüchtiger Betrachtung hat man allerdings den Eindruck als wäre die Zehe viel länger als bei der Typ S Bearbeitung. Betrachten wir dazu das nächste Bild:

Typ N Betrachtung

Der Abrollpunkt ist eigentlich bei A. Bei normaler Betrachtung (Pferd steht, Betrachter steht davor oder schräg daneben) sieht man den Abrollpunkt allerdings nicht. Er ist durch die Rundung verdeckt. An der Rundung vorbei schaut man auf Punkt B, der weiter vorn (links im Bild) liegt. Man hat das Gefühl die Zehe ist länger bzw. zu lang.

Und es wird noch schlimmer: Da Huf und Boden meist nicht wie im Fotostudio ausgeleuchtet sind, wirft die Rundung einen Schatten auf den Boden. Dadurch kommt es einem so vor als wäre der Abrollpunkt sogar bei C.

All diese optischen Täuschungen hat man bei der Bearbeitung nach Typ S nicht. Dort sieht man den Abrollpunkt immer direkt dort wo er wirklich ist. Er ist weder verdeckt noch wirft der Huf davor einen Schatten.

Es geht aber noch extremer: Steht das Pferd nicht auf hartem sondern auf weichem Boden, dann sinkt der Huf leicht in den Boden ein. Dadurch wir die optische Täuschung noch krasser.

Typ N im Boden

Der oberflächliche Betrachter sieht nun die Rundung nicht mehr. Automatisch interpoliert das Gehirn das Gesehene und denkt der Huf setzt sich in der Erde genauso fort. Das Hirn meint also der Huf würde bei Punkt D enden.

Vergleich

Im Vergleich dazu hat der Huf, der nach Typ S bearbeitet wurde, diese optischen Probleme nicht. Selbst wenn er etwas in weichem Boden versinkt, kommt er einem nicht wesentlich länger vor als er tatsächlich ist. Verlängert man die Linie von der Erdoberfläche nach unten, dann landet man höchstens minimal vor Punkt A. Zum Vergleich sind im folgenden Bild auch nochmal die Punkte B, C und D eingezeichnet.

Typ S im Boden

Bei diesem direkten Vergleich wird offensichtlich, dass der Typ N Huf durch die diversen optischen Täuschungen sehr viel länger erscheinen kann als der Typ S Huf.

Für das Pferd ist es jedoch nur entscheidend wo der tatsächliche Abrollpunkt liegt. All die optischen Täuschungen, auf die der zweibeinige Betrachter hereinfällt, sind völlig ohne Belang. Und ein sanftes Abrollen ist dem Pferd angenehmer als ein plötzliches Kippen über eine Abbruchkante.

In manchen Fällen (z.B. verbreiterte weiße Linie) ist es angebracht den Abrollpunkt A noch weiter nach hinten (im Bild nach rechts) zu setzen. Bei der reinen Bearbeitung Typ S wäre die Hufwand im unteren Teil dann bereits sehr dünn, das Hufinnere nicht mehr ausreichend geschützt. Bei der NHC Bearbeitung hat man dieses Problem nicht.

was lernen wir daraus?

Wenn dir jemand sagt, dass dein Pferd viel zu lange Zehen hat, dann frag nach wie er zu dieser Aussage kommt. Wenn er nur mal schnell drauf geschaut hat, dann kannst du dir ziemlich sicher sein, dass diese Aussage nicht viel wert ist. Verweise ihn notfalls auf diesen Artikel damit er seinen Wissenshorizont erweitern kann.

Wer den Huf nur mal schnell aus der üblicher Perspektive betrachtet, der lässt sich schnell täuschen. Wer es gewohnt ist Typ S Hufe zu sehen, der wird sich bei Betrachtung von Typ N Hufen ganz schön wundern (oder ohne wundern zu völlig falschen Schlüssen kommen). Leider gibt es immer wieder Spezialisten, die sich auf diesen ersten optischen Eindruck verlassen und die Pferdebesitzer mit falschen Aussagen verunsichern. Um einen Huf und seine Zehenlänge richtig zu beurteilen muss man sich schon etwas mehr Mühe machen, sich auch mal bücken, den Huf aufnehmen, abtasten, und seinen Verstand gebrauchen. Auch eine Ganganalyse kann Klarheit schaffen. Aber auch diese Analyse bringt nichts ohne Einsatz des Verstands, denn nicht jede Ganganomalie lässt sich auf die Hufe zurückführen.

<<< die Mustang Roll <<< ^^^ Hufgesundheit ^^^