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Barhufpflege Andreas Dold

Natural Hoof Care Böblingen


tägliche Hufpflege

zuletzt aktualisiert am 10.11.2016

Man kann die Verantwortung für gesunde Hufe nicht einfach an einen Hufpfleger delegieren. Angenommen der Hufpfleger kommt alle 6 Wochen, dann sind das 1008 Stunden. Maximal 1 Stunde davon kann der Hufpfleger direkten Einfluss auf die Hufe nehmen. Wenn die Hufe dazwischen 1007 Stunden lang vor sich hin gammeln, dann kann er leider nicht mehr viel retten. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass möglichst täglich nach den Hufen geschaut wird.

Stallhygiene

Bei der täglichen Hufpflege denkt wahrscheinlich jeder erst ans Hufe auskratzen. Die wichtigste Hufpflege ist jedoch, dass das Pferd nicht ständig in den eigenen Mist tritt und Fußbäder in Urin nimmt.

In der Natur mistet keiner! Dennoch ist es sehr unwahrscheinlich Pferdekot im Huf eines frei lebenden Pferdes zu finden. Das liegt ganz einfach an der Größe des Lebensraums. Der Kot verteilt sich auf eine riesige Fläche. Und bevor das Pferd wieder dort hin kommt wo es sich zuletzt erleichtert hat, ist der Kot längst zu Humus zersetzt. Dass ein frei lebendes Pferd minuten- oder gar stundenlang in Urin steht, ist praktisch unmöglich, da der Urin in seinem natürlichen Lebensraum meist direkt im Boden versickert.

In der Pferdehaltung ist das anders. Wir rechnen hier nicht in Quadratkilometer pro Pferd, sondern in Pferde pro Hektar oder Quadratmeter pro Pferd. Oft sind Teile des Bodens so befestigt, dass es zu Urinpfützen kommen kann. Und die Wahrscheinlichkeit, dass ein Pferd längere Zeit mit einem Huf in einer Urinpfütze oder einem Kothaufen steht, ist in manchen Haltungen leider hoch. Uringetränktes Stroh ist übrigens auch nicht wirklich besser als eine Urinpfütze. Wer also nur die Pferdeäpfel entsorgt und nasse Einstreu liegen lässt, der darf sich nicht über weiche, faulige Hufe wundern.

Bei Boxenhaltung verteilt sich der Kot und der Urin auf nur wenige Quadratmeter. Wer dort nur einmal täglich mistet, kann mit einer vollen Schubkarre Kot und uringetränktem Stroh rechnen (bei Sägespänen etwas weniger). Verteile diesen Müll einmal (gedanklich) auf 10 Quadratmeter und laufe 12 Stunden darauf herum: ein ekelhafter Gedanke! Aber genau so ergeht es dem Pferd, welches 23 Stunden am Tag in der Box steht, die nur alle 24 Stunden gesäubert wird. Gerade die Mischung aus Kot und Urin ist die absolute Höchststrafe für Hufe. Meist beginnen die sichtbarsten Zeichen der Verwesung am Strahl. Und da kann der Hufpfleger nach 1007 Stunden auch nicht mehr viel retten. Deshalb beginnt die beste Hufpflege bei der Stallhygiene.

Wer sein Pferd in der Box hält, sollte also erst mal darüber nachdenken ob es nicht bessere Möglichkeiten der Haltung gibt (besser nicht nur hinsichtlich Hygiene und Hufgesundheit). Wenn es keine Alternative gibt, dann muss er sich wirklich viel Zeit nehmen und mehr als nur einmal am Tag misten.

Der Mist, der nicht herum liegt, kann sich nicht in den Strahlfurchen breit machen. Wenn sich der Mist auf genügend Fläche verteilt, dann genügt es einmal täglich auszumisten. Wie oben schon vorgerechnet reicht das aber nicht wenn man das Pferd in der Box stehen hat. Wer also meint ein Pferd in der Box macht weniger Arbeit, der ist auf dem Holzweg bzw. betreibt sein Hobby auf Kosten der Pferdegesundheit.

Hufe auskratzen

Natürlich macht Stall misten keinen Sinn wenn die Hufe bereits mit Kot und uringetränktem Material vollgestopft sind, und dies auch keiner ändert. Deshalb sollte nach der Stallsäuberung auch an die Reinigung der Hufe gedacht werden. Man sollte die Hufe möglichst täglich kontrollieren. Der Mist aus den Hufen wird natürlich nicht im Stall, sondern am Putzplatz entfernt, wo man ihn anschließend sauber weg fegen kann.

Mit dem Hufkratzer bitte nicht nur die äußeren Strahlfurchen säubern, sondern auch an die mittlere Strahlfurche denken! Und in den äußeren Strahlfurchen auch mal in die andere Richtung kratzen um auch den Mist an der tiefsten Stelle ganz weit hinten zu erwischen. Manchmal gibt es auch Stellen entlang der weißen Linie, dort wo sie nicht ganz intakt ist.

Steine setzen sich ebenfalls gerne in der weißen Linie fest, ebenfalls hauptsächlich dort wo sie nicht intakt ist. Bei einer richtig gesunden weißen Linie hat man dieses Problem selten. Kleine Steinchen, die dort drin stecken, nicht heraus stehen, und sich mit einem handelsüblichen Hufkratzer nicht entfernen lassen, würde ich übrigens einfach drin lassen. Wer dort täglich operativ mit Schraubendreher, Hufnagel usw. diese Steinchen entfernt, hinterlässt meist ein Loch, in dem kurz danach das nächst größere Steinchen klemmt.

Bei den Trachtenecken lohnt sich ein genauerer Blick. Kleine Steinchen setzen sich dort in der Ecke gerne mal auf der Sohle fest und lassen sich relativ einfach mit dem Hufkratzer entfernen. Entfernt man sie nicht, drücken sie sich tiefer rein, das nächste Steinchen findet auch seinen Weg in diese Ecke und drückt den ersten weiter rein, dann sich selbst. An dieser Stelle habe ich bei der Hufbearbeitung schon einmal 3 Schichten Steinchen freigelegt. So etwas kann dann schon mal zu einem Hufgeschwür führen.

Findet man keinen Mist und keine störenden Steine, sondern nur trockene Erde, dann spricht nichts dagegen diese Erde einfach im Huf zu belassen. Sie kann sogar für eine bessere Lastverteilung am Huf sorgen. Dumm ist allerdings wenn man Tage später feststellt, dass ganz unten drin doch Mist und Urin war, und die anaeroben Bakterien diese Situation für eine tolle Party genutzt haben.

Öl, Fett, Wasser und andere Hufpflegeprodukte

Das sogenannte Huffett hat auf Pferdehufen nichts verloren! Die Natur hat nicht vorgesehen, dass die Hufe von außen mit Fett, Öl oder gar Teer überzogen werden. Wäre das nötig, dann hätte die Natur zig Millionen Jahre Zeit gehabt um den Pferden Fett- oder Öldrüsen am Kronrand wachsen zu lassen. Es gibt im natürlichen Lebensraum der Pferde auch keine öligen Gräser, die Hufe einölen würden. Daher macht es auch keinen Sinn die Hufe einzuschmieren. Im Gegenteil: man behindert damit den natürlichen Feuchtigkeitsaustausch.

Natürliche Gesundheit kommt ohnehin nie von außen, sondern von innen. Wenn Hufe spröde und rissig sind, dann werden sie möglicherweise nicht mit den nötigen Nährstoffen versorgt. Eine regelmäßige Zahnkontrolle und die Überprüfung der Ernährung ist daher wesentlich sinnvoller als sein Geld für zweifelhafte Pflegeprodukte zu verschwenden.

Ein tägliches Wasserbad kann ich auch nicht empfehlen. In Deutschland sind die Hufe auf Grund des Wetters ohnehin meistens zu feucht. Ein trockener Sommer entspricht noch am ehesten den natürlichen Bedürfnissen der Pferdehufe. Wenn man dann ein verschwitztes Pferd kurz mal abduscht, läuft genug Wasser die Hufe runter. Eine spezielle Feuchtigkeitsbehandlung der Hufe ist also unnötig.

Fäulnis

Ein leidiges Thema - gerade im (aus Pferdesicht) feuchten Deutschland. Aber nicht alles was riecht ist Fäulnis. Sieht man in den äußeren Strahlfurchen etwas dunkles öliges, was käsig riecht, dann handelt es sich ganz einfach um Fußschweiß, der übrigens eine desinfizierende Wirkung hat. Also Kein Grund zur Sorge.

Echte Fäulnis riecht dagegen richtig eklig nach Müll (Biotonne). Dies sollte behandelt werden. Und an dieser Stelle kommen von den Pferdebesitzern dann auch gleich die Fragen nach dem besten Mittelchen. Doch langsam: bitte erst nochmal ganz nach oben schauen zum Thema Stallhygiene. Denn mangelnde Stallhygiene lässt sich nicht einfach durch Desinfektion der Hufe ersetzen.

Desinfektionsmittel sollten mit Vorsicht eingesetzt werden, und nur über einen überschaubaren Zeitraum.

Äther (z.B. Jodoformäther) wirkt zwar Wunder gegen Fäulnisbakterien, trocknet das Horn aber sehr schnell aus. Besonders am Strahl kann ich vom Einsatz von Äther daher nur abraten. Bei mehrfacher Anwendung können tief drin Trocknungsrisse entstehen, die den nächsten Bakterien eine perfekte Umgebung schaffen wo sie vor weiteren Mittelchen geschützt sind. Zudem ist Äther gesundheitsschädlich und aus gutem Grund nicht mehr für jeden zu bekommen. Ich habe eine Spezialpaste aus Jodoform und Zink für akute Fälle. Doch auch diese setze ich nie mehr als zweimal an einer Stelle ein. Daher gebe ich diese Tuben auch nicht an Pferdebesitzer ab, sondern führe die (meist einmalige) Behandlung damit selbst durch.

Um zwischendurch kleinere Fäulnisherde in Schach zu halten, gibt es von der Industrie jede Menge Produkte. Es gibt aber auch alternative Möglichkeiten für wenig Geld. Da man es beim Huf meist mit einer Kombination von anaeroben Bakterien und Pilzen zu tun hat, sollte das Mittel auch tatsächlich gegen beides wirken. Hier nur ein paar Beispiele, die sanftesten zuerst:

  • Effektive Mikroorganismen (EM)
    Eine Mischung aus "guten" Bakterien, die die "schlechten" Bakterien verdrängen. Zudem geht man davon aus, dass es auch "neutrale" Bakterien gibt, die sich je nach Verteilung von guten und schlechten Bakterien der Mehrheit anschließen und somit gutartig oder bösartig agieren können. Bei Einsatz von EM werden diese vorhandenen neutralen Bakterien also gut.
  • Honig, Propolis
    Honig hat eine natürliche desinfizierende Wirkung. Er hat den Vorteil, dass er an den richtigen Stellen lange genug haftet um seine Wirkung zu entfalten. Vor dem Auftragen notfalls etwas erwärmen damit er in die richtigen Ritzen rein laufen kann. Interessanterweise ist er nach kurzer Zeit trotzdem nicht so klebrig dass nachher Sand und Steinchen eingesammelt werden. Propolis ist in Bienenwachs und im Honig enthalten und gibt es auch separat in flüssiger Form. Wer will kann also erst Propolis verwenden, welches hoffentlich noch in die letzten Ritzen läuft, und danach Honig. Von Propolis Salbe rate ich ab.
  • kolloidales Silber
    Kann Erreger ohne Nebenwirkungen abtöten. Die Herstellung, Lagerung und Anwendung ist allerdings nicht immer leicht. Es darf nicht mit Metall in Berührung kommen, auch nicht längere Zeit mit Kunststoff. D.h. es muss in Glas abgefüllt sein. Zur Anwendung kann man es in eine Kunststoffspritze aufziehen, dann aber schnell verarbeiten bevor die Silberatome sich am Kunststoff absetzen. Außerdem muss es von elektromagnetischen Feldern und Sonnenlicht fern gehalten werden. Die Ausrüstung zur Herstellung kostet ca. 200 Euro. Am Markt ist fertiges kolloidales Silber relativ teuer.
  • Wasserstoffperoxyd
    In einer 3-prozentigen Lösung als Desinfektionsmittel einsetzbar. Auch bei kleinen Verletzungen der Haut brennt es überraschenderweise nicht (durch Selbstversuch bestätigt).
  • Betaisodona Lösung, Jod
    Jod wirkt antiseptisch, d.h. keimtötend. Die Betaisodona Lösung enthält Jod in einer speziellen Form, so dass es zu weniger Hautreizungen kommt.
  • Sagrotan, Disifin
    Klassische Desinfektionsmittel. Haushaltsübliches Sagrotan wirkt laut Hersteller gegen 99,9% aller Bakterien und Pilze. Es gibt auch andere Hygiene Sprays. Ich gebe denen den Vorzug, bei denen die Hautverträglichkeit nachgewiesen wurde.

Von den käuflichen Spezialprodukten kann ich außerdem Klausan von Dr. Schaette empfehlen.

Egal was man nimmt: Die zu behandelnden Stellen immer erst mal vom groben Schmutz befreien damit das Mittel überhaupt dorthin kommen kann wo es wirken soll. Und nie vergessen: Vorbeugung ist besser als behandeln ... Stichwort Stallhygiene. All die Mittelchen sind nur als Ergänzung bzw. kurzfristige Therapie gedacht, nicht als alleinige Dauerlösung eines Fäulnisproblems.

Größere faule Stellen wird man mit dem Messer beseitigen müssen, da all die Mittelchen zu wenig Eindringtiefe haben. Besser man lässt es gar nicht so weit kommen. Denn der Strahl ist einer der wichtigsten Teile des Hufs. Wenn der Hufpfleger immer wieder größere Menge davon weg schneiden muss, dann liegt ein gesunder Strahl und damit ein gesunder Huf in weiter Ferne.

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