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Barhufpflege Andreas Dold

Natural Hoof Care Böblingen


Natural Hoof Care Grundlagen

zuletzt aktualisiert am 10.11.2016

Die Evolution der Hufe

Die Hufe unserer heutigen Pferde haben ca. 7 Millionen Jahre Evolution hinter sich. Hufpfleger gibt es aber erst seit ein paar Hundert Jahren. D.h. Pferde haben Millionen von Jahren ohne menschliche Hufpflege überlebt (schon bevor es überhaupt Menschen gab). Die Hufe haben sich in dieser Zeit so entwickelt, dass sie sich selbst erhalten. Wachstum und Abrieb hielten sich die Waage. Pferde mit schlechten Hufen hat die Natur gnadenlos ausgemustert, d.h. diese Pferde haben meist nicht lange genug gelebt um sich fortzupflanzen. Nur die Pferde mit perfekten Hufen, die sich selbst erhalten haben, haben überlebt.

Auch heute leben noch in verschiedenen Gebieten der Welt Pferde, die 30 Jahre und älter werden, ohne jeglichen menschlichen Eingriff. Die Natur übernimmt deren Hufpflege.

Warum überhaupt Hufpflege?

Wenn die Natur innerhalb 7 Millionen Jahren Pferdehufe so entwickelt hat, dass sie sich selbst erhalten können, warum brauchen unsere Pferde dann überhaupt einen Hufpfleger?

Die wild lebenden Pferde, die in der Tat ohne menschliche Hufpflege auskommen, müssen täglich 15 bis 30 Kilometer zurücklegen um genügend Futter zu finden und regelmäßig wieder zum Wasserloch zurückzukehren. Die meiste Zeit bewegen sie sich auf trockenem, harten, steinigen Boden. Die Nahrung ist meist mager, d.h. auch arm an Kohlenhydraten. Sie haben aber die Freiheit weit zu gehen um sich verschiedene Gräser, Sträucher und Kräuter zu suchen. Manchmal scharren sie mit ihren Hufen auch Mineralien im Boden frei, um diese dann zu sich zu nehmen. Dadurch bekommen sie alle Nährstoffe, die sie brauchen um gesund zu bleiben. Die Hufe werden durch die Bewegung genügend abgenutzt um das nur mäßige Wachstum zu kompensieren. Durch das Abrollen der Hufe bei Bewegung werden die Hufwände zudem auch abgerundet, was unkontrollierte Absplitterungen und Risse vermeiden hilft.

Unsere Hauspferde sind mit den wild lebenden Pferden genetisch gesehen praktisch identisch. Der Mensch schränkt die Bewegung allerdings durch die Haltung ein. Oft werden sie sogar regelrecht verwöhnt. Sie bekommen alles was sie brauchen auf kleinstem Raum, sodass sie sich kaum noch bewegen müssen um ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Manchmal wird sogar der Spieltrieb (auch eine Motivation für Bewegung) unterbunden, indem der Kontakt mit anderen Pferden eingeschränkt wird. Zudem bekommen sie oft kohlenhydratreiches Futter. Und der Boden des Auslaufs ist meist nicht annähernd so hart und steinig wie z.B. in in den Bergen von Nevada oder in Zentralaustralien. Gerade in Deutschland versumpfen viele Pferde auch öfter mal wochenlang im Matsch. All das führt dazu, dass die Hufe viel schneller wachsen als sie sich abnutzen können. Das natürliche Gleichgewicht ist gestört. Bei beschlagenen Pferden wird das Gleichgewicht noch weiter gestört, weil der Abrieb praktisch komplett unterbunden wird.

Aus diesem Grund ist bei domestizierten Pferden eine regelmäßige Hufpflege notwendig. Allerdings hat es der Hufpfleger leichter, je artgerechter die Haltung und Fütterung des Pferdes ist.

Die Aufgabe des Hufpflegers

Da Wachstum und Abnutzung der Hufe nicht mehr im Gleichgewicht sind, muss ein Hufpfleger dies ausgleichen. Im Grunde genommen erledigt er den Job, den die Natur bei den wild lebenden Pferden erledigt. Zumindest versucht er das so gut er kann. Allerdings kann er die Natur nur eingeschränkt simulieren. Er kommt nur alle paar Wochen und muss dann das erledigen, was die Natur sonst täglich, jede Stunde, jede Minute des Pferdelebens erledigen würde.

Die Mängel, die aus ungenügender Bewegung und zu üppiger Nahrung entstehen, können allerdings nicht alleine durch das Raspeln zu langer Hufwände ausgeglichen werden. Damit wird nur die mangelnde Abnutzung der Hufe ausgeglichen. Zu wenig Bewegung und falsche Ernährung hat jedoch nicht nur Einfluss auf die Länge der Hufwände. Es hat auch negative Auswirkungen auf die Durchblutung (nicht nur der Hufe), Darmflora, Kreislauf, Stoffwechsel, körperliche Fitness und auf das Immunsystem. Auf die Hufe wirkt sich das u.a. in Form von Hufbeinrotation, Hufbeinsenkung, Rehe, Hufrollensyndrom, Risse, Strahlfäule usw. aus. Das sind alles Dinge, die sich nicht mal eben mit einem Hufmesser und einer Raspel aus der Welt schaffen lassen. Daher sehe ich meine Aufgabe auch darin die Pferdebesitzer zu beraten und wenn nötig Änderungen in Haltung und Fütterung anzuregen.

Die Bearbeitung der Hufe

Bei domestizierten Pferden sollte ein Hufpfleger das ganze Jahr hindurch regelmäßig die Hufe kontrollieren und wo nötig bearbeiten. Die Abstände können je nach den Umständen (Haltung, Fütterung, aber auch Jahreszeit) angepasst werden, sollten jedoch nur in Ausnahmefällen länger als 6 Wochen sein. Die Grundidee ist, dass man korrigierend eingreifen kann bevor die Hufe schlecht werden. Die Hufpflege sollte also geschehen so lange der Huf noch gesund ist. Vorbeugen ist immer besser als heilen. Das heißt folglich auch, dass man bei bereits erkrankten Hufen kürzere Abstände braucht um eine Chance auf Besserung zu haben.

Aufgabe des Hufpflegers:

  1. Überflüssiges Material entfernen, das durch den unnatürlichen Lebensstil des Pferdes nicht von selbst abgetragen wurde (und nur wenn das überflüssige Material ein Problem für das Pferd verursachen könnte).
  2. Ungesundes Hufwachstum und/oder ungleichmäßige Hufabnutzung korrigieren.
  3. Mangelhafte Strukturen schützen und deren Entwicklung fördern.
  4. Fördern von zukünftig verbessertem Hufwachstum.

Ziel der Bearbeitung:

  1. Dem Pferd sollte es nach der Bearbeitung genauso gut oder besser gehen.
  2. In den Wochen danach sollte das Pferd damit beschäftigt sein einen besseren Huf wachsen zu lassen als es zuvor hatte.

Um diese Ziele zu erreichen bedarf es einer guten Ausbildung und viel Erfahrung. Ein guter Hufpfleger wird sein ganzes Leben lang lernen. Da jedes Pferd und jeder Huf anders ist, wird er zwangsläufig auch mal einen Fehler machen. Aus diesem sollte er aber unbedingt lernen und den selben Fehler an diesem Pferd nicht immer wieder machen. Einen Fehler wird er natürlich nicht erst erkennen wenn das Pferd eingeschläfert werden muss, sondern bereits dann wenn einer der beiden o.g. Ziele nicht erreicht wurde, d.h. das Pferd nach der Bearbeitung schlechter läuft, oder der Huf beim nächsten Besuch in einem schlechteren Zustand ist als beim letzten Mal.

Sollte dir dein Hufbearbeiter erzählen, es wäre normal, dass dein Pferd nach der Hufpflege ein paar Stunden oder gar Tage fühlig läuft, dann schick ihn in die Wüste! Einem guten Hufpfleger darfst und musst du sagen wenn dein Pferd zwischendurch schlecht lief. Er wird sich dann Gedanken machen was er in der Bearbeitung ändern muss, oder aber was bei Haltung und Fütterung noch optimiert werden könnte.

artgerechte Haltung und Fütterung

Wie bereits erwähnt kann der Hufpfleger nur mangelnde Abnutzung und Abrundung der Hufwände ausgleichen. Bei den anderen negativen Auswirkungen der Domestizierung kann der Hufpfleger nicht viel machen, außer den Pferdebesitzer auf Missstände aufmerksam machen, ihn beraten und auf Abhilfe drängen.

Auch wenn regelmäßige professionelle Hufpflege bei domestizierten Pferden wichtig ist, noch viel wichtiger ist eine artgerechte Unterbringung und Fütterung. Diese muss sich an den natürlichen Bedürfnissen des Pferdes richten, welche da wären:

  • Bewegung!!! Möglichst verteilt auf 24 Stunden pro Tag, 365 Tage pro Jahr!
  • genügend Platz (auch um unsympathischen Artgenossen aus dem Weg gehen zu können)
  • Sozialkontakte
  • Sonnenlicht und frische Luft
  • Wasser und Futter mit allen wichtigen Nährstoffen, aber wenig Kohlenhydraten

Übrigens ist artgerechte Haltung und Versorgung des Pferdes kein Luxus, sondern im Tierschutzgesetz vorgeschrieben. Und das Tierschutzgesetz ist in Deutschland sogar im Grundgesetz verankert.

Wenn der Mensch dann noch einen artgerechten Umgang mit seinem Pferd pflegt, dann steht dem Glück des Pferdes nichts mehr im Weg. Natural Hoofcare kombiniert mit Natural Horsemanship - da freut sich das Pferd.

Zu Haltung und Fütterung findest du in der Rubrik Hufgesundheit noch ein paar Hinweise. Und Natural Horsemanship verbreitet sich mittlerweile auch in Deutschland immer mehr (es muss nicht unbedingt Parelli sein). Eine Auswahl findest du in meiner Linksammlung.