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Barhufpflege Andreas Dold

Natural Hoof Care Böblingen


Barhuf: Wieso, weshalb, warum ...

zuletzt aktualisiert am 10.11.2016

Schuhe oder barfuß ... oder beides?

Kannst du dich noch an deine Kindheit erinnern? Als du noch überall barfuß unterwegs warst? Du hast jeden Kieselstein unter den Füßen gespürt. Und im Frühling, wenn du nach dem kalten Winter endlich wieder (barfuß) draußen herum rennen konntest, da hat auch der ein oder andere Stein weh getan. Aber das war nur so lange ein Problem bis die Füße wieder genug Hornhaut hatten. Dann war es wieder ein Genuss die Natur unter den Füßen zu spüren.

Heute trägst du vermutlich Schuhe wenn du das Haus verlässt. Da sind die Steine auch im Frühjahr kein Problem. Aber wir sind mit unseren Füßen nicht mehr so direkt mit der Natur verbunden. Und in modernen Schuhen mit diesen ausgeklügelten Sohlen können wir kaum noch unterscheiden ob wir auf Asphalt oder Rasen gehen.

Aber könntest du dir auch vorstellen die Schuhe Tag und Nacht anzulassen? Eine unangenehme Vorstellung, nicht wahr? Wir sind doch oft sehr froh, wenn wir sie abends ausziehen können. Und nun stell dir vor, es sind Schuhe mit total harten, unbiegsamen Sohlen aus Stahl, die du über Monate nicht ausziehen kannst. Jeder Schritt fährt dir in die Glieder, weil das Eisen absolut nichts dämpft wenn der Fuß am Boden aufkommt. Im Gegenteil: er versetzt deine Knochen und Gelenke mit jedem Schritt in Schwingungen. Unvorstellbar, nicht wahr? Aber genau so muss es wohl einem beschlagenen Pferd gehen.

Warum tun wir das unseren Pferden an, die wir so lieben? Die meisten Pferde können doch auch ohne Eisen laufen, zumindest die meiste Zeit ihres Lebens. Und wenn es dann mal nicht geht, dann können wir doch Schuhe nehmen: Hufschuhe, die man nach dieser speziellen Situation wieder ausziehen kann. Warum sollen wir unsere geliebten Pferde mit permanent angenagelten, unbiegsamen, harten Eisen quälen, nur weil wir eine Stunde in der Woche über einen Untergrund reiten wollen, an den das Pferd nicht gewohnt ist? Bitte bedenke, dass die Woche 168 Stunden hat. Quäle dein Pferd also nicht 167 Stunden wenn du ihm die eine Stunde erleichtern willst. Nimm dir lieber die 5 Extraminuten um Hufschuhe anzuziehen, und danach wieder auszuziehen. Moderne Hufschuhe anzuziehen dauert nicht länger als Hufe auszukratzen. Vergiss die Zeiten als das noch ein fummeliges Geschäft von 30 Minuten war.

Der Huf und die Natur

Der Huf der Pferde hat Jahrmillionen an Entwicklung hinter sich. Pferde (mit nackten Hufen) gibt es schon viel länger als uns Menschen. Sie mussten sich im Laufe der Evolution anpassen und sich gegen andere Tiere behaupten. So konnten nur die Besten überleben und die Hufe wurden von Generation zu Generation immer besser. Und doch denken Menschen, sie hätten in den letzten 500 Jahren etwas erfunden, was diesem von der Natur erschaffenen Huf überlegen wäre: ein beschlagener Huf.

Brauchen Pferde wirklich Hufeisen? Brauchen sie überhaupt einen von Menschen entwickelten Schutz? Etwa deshalb, weil der Mensch auch den Boden verändert hat, auf dem die Pferde sich nun bewegen müssen? Es gibt auch heute noch Pferde auf unserem Planeten, die ohne jegliche menschliche Hufpflege (und natürlich ohne Hufeisen) 30 Jahre und älter werden, und bei deren Bewegungen über teils extremen Untergrund jeder Pferdebesitzer neidisch wird.

Warum Hufeisen?

Hufeisen wurden im Mittelalter erfunden. Man wollte an der Burg die Pferde schnell verfügbar haben wenn man angegriffen wurde. Also hat man sie nicht mehr auf den großen Weiden herumlaufen lassen, sondern sie direkt an der Burg in den Burgstall gestellt. Statt viel Bewegung hatten die Pferde nun ausgiebige Fußbäder in ihrem eigenen Kot und Urin. Die Hufe wurden weicher und empfindlicher. Das führte dazu, dass sie auf dem steinigen Boden draußen nicht mehr gut vorwärts (gegen den Feind) geritten werden konnten. Und wie es Menschen halt so machen: sie behandeln das Symptom statt die Ursache (Pampe im Stall und zu wenig Bewegung). Also hartes Metall auf die weichen Hufe und das Problem war "gelöst".

Es gibt viele Gründe warum Pferdebesitzer ihre Pferde beschlagen lassen - leider auch immer noch den aus dem Mittelalter. Aber es gibt keinen, der mich je überzeugt hat.

  • Es wird beschlagen, weil das so üblich ist / weil das alle hier im Stall machen.
  • Man macht es, weil man das schon immer gemacht hat.
  • "Wildpferde", die ohne Eisen auskommen, müssen ja auch nicht über Asphalt laufen. Der Asphalt sorgt für zu viel Abrieb, dem muss man mit Eisen entgegen wirken.
  • "Mein Pferd kann nicht ohne Eisen. Es ist viel zu empfindlich."
  • ... du darfst mir gerne weitere Gründe zuschicken ...
    Ich bin mir sicher mein Pferd bleibt noch lange barhuf, weil mir keiner einen Grund für Eisen zuschicken wird, der mich überzeugen wird

Zu den ersten beiden Punkten muss ich hoffentlich nichts weiter sagen. Ich hoffe die Informationen hier regen zum Nachdenken an. Was den Asphalt betrifft: wie viele Kilometer muss mein Pferd denn täglich über Asphalt gehen? So lange der Hufpfleger die Hufwand jedes Mal kürzen muss, kann es wohl noch ein paar Kilometer drauf legen. Außerdem gewöhnen sich die Hufe mit der Zeit daran und sorgen für schnelleres Hornwachstum bzw. härteres Horn. Und wer einmal Mustangs in Amerika beobachtet hat, der weiß, dass sich die Mustang auf Asphalt wie im Wellness Hotel vorkommen würden. Zudem ist Asphalt ein besonders ungeschicktes Argument für Hufeisen. Denn gerade da sorgt das Eisen mit jedem Schritt für zerstörerische Schwingungen, die in die Knochen und Gelenke fahren und dort langfristig Schäden verursachen. Viele weitere Nebenwirkungen von Beschlag kannst du unter "Vergleich: barhuf - Hufschuh - Beschlag" finden

Wenn mein Pferd zu fühlig ist, dann muss ich mir Gedanken um die Haltung, Fütterung, Nutzung und eventuell auch um den Hufpfleger machen. Wenn mein Pferd im Stall die ganze Zeit auf weichem Boden steht, dann kann ich natürlich nicht einmal im Jahr einen zweiwöchigen Ritt ohne Hufschutz durch die schwäbische Alb machen. Der Boden im Stall sollte dem Ausreitgelände angepasst sein, damit sich die Hufe daran gewöhnen und sich anpassen. Wenn das Pferd nicht die richtigen Nährstoffe bekommt, kann kein vernünftiges Horn wachsen. Wenn es zu viele leichtverdauliche Kohlenhydrate bekommt, kann es durch Stoffwechselprobleme ebenfalls zu Hufproblemen kommen. 150 Kilometer an einem Tag über Stock und Stein entsprechen sicherlich nicht einer artgemäßen Nutzung. Ein anderer Grund für Fühligkeit kann auch die Hufpflege sein. Es gibt nicht wenige Hufpfleger, die jedes Mal an der Sohle herum schneiden. Wenn du barfuß über Schotter laufen willst, dann ist es ungeschickt wenn du dir regelmäßig die Hornhaut abschabst. Also sollte das auch kein Hufpfleger beim Pferd machen.

Ja, es gibt auch Pferde mit genetisch bedingt schlechten Hufen. Der sinnlose Eingriff der Menschen in die Natur (Zucht genannt) macht es möglich. Die Natur hätte solche Pferde schnell aussortiert. Der Einfluss der Menschen auf die Evolution der Pferde ist bisher aber zum Glück noch sehr beschränkt, sodass genetisch bedingt schlechte Hufe eine klare Ausnahme sind.

Schuhe für Pferde?

Und was, wenn ich wirklich 2 Wochen durch die schwäbische Alb reiten will, die Hufe meines Pferdes aber dafür nicht konditioniert sind? Dann bekommt es beim Reiten halt Schuhe verpasst. Aber bitte solche, die man abends wieder ausziehen kann ... mach ich mit meinen Schuhen ja auch, sogar wenn ich Cowboy spiele.

Aber Achtung: Es bringt nichts wenn die Hufe dank Hufschutz durchhalten, aber der Rest des Pferdes ebenfalls nicht für diese Belastung vorbereitet ist. Eine entsprechende Vorbereitung von Pferd und Reiter ist unumgänglich.

Warum braucht mein Pferd überhaupt einen Hufpfleger?

Die amerikanischen Mustangs, die australischen Brumbies und einige andere wild lebende Pferde brauchen doch auch keinen Hufpfleger. Warum dann meines?

Vielleicht braucht deines ja gar keinen! Geht es täglich 15 bis 30 Kilometer über vorwiegend harte, steinige (und trockene) Böden? Bekommt es Kohlenhydrat arme Nahrung (nicht zu viel), ein Optimum an Mineralien und Spurenelementen? Entspricht der Boden seines Lebensraums (Stall / Koppel / Weide / ..., da wo es sich fast 24 Stunden am Tag bewegt) dem Boden beim Ausreiten, oder ist härter und steiniger? Wenn du diese Fragen alle mit Ja beantworten kannst, dann brauchst du vielleicht keinen Hufpfleger. Es kann allerdings trotzdem beruhigend sein, wenn ein guter Barhufpfleger regelmäßig nachschaut ob noch alles in Ordnung ist.

Von diesem Ideal sind die meisten Pferde in Deutschland allerdings weit entfernt. Sie bewegen sich zu wenig, auf zu weichem (oft matschigem) Untergrund, bekommen zu viele Kohlenhydrate. Die Hufe wachsen daher schneller als sie abgenutzt werden.

Daher braucht eigentlich jedes unserer Pferde regelmäßige Hufpflege. Und bitte von jemandem, der sich mit Barhufpflege auskennt. Die Bearbeitung vor dem Beschlagen unterscheidet sich in ein paar wesentlichen Punkten von der Barhufpflege. Immerhin muss das Pferd nach der Bearbeitung auch ohne den Schutz von Eisen schmerzfrei laufen können. Und die Wände sollten auch ohne den Schutz von Eisen nicht beim nächsten Stein davon splittern. Und lass dir von keinem einreden, es wäre normal wenn das Pferd nach der Bearbeitung erst mal ein paar Tage fühlig läuft. Das ist Quatsch. Nach einer guten Barhufpflege läuft das Pferd in der Regel mindestens genauso gut wie vorher. Und das ist wichtig! Denn wenn das Pferd nicht schmerzfrei läuft, dann läuft es weniger. Und dann rückt Besserung in weite Ferne. Denn das Pferd braucht viel Bewegung um seine Hufe in Form zu bringen oder sie in Form zu halten.