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Barhufpflege Andreas Dold

Natural Hoof Care Böblingen


Vergleich: barhuf - Hufschuh - Beschlag

zuletzt aktualisiert am 10.11.2016

Einleitung

Ich hatte einmal eine Kundin mit Barhufpferd, welches speziell morgens sehr schlecht aus dem Stall lief. Die anderen Pferdebesitzer, die ihre Pferde fast alle beschlagen lassen, verpassten ihr daher regelmäßig eine Hirnwäsche: sie soll das Pferd nicht so quälen und ihm endlich Eisen drauf machen. Offensichtlich ist diesen Stallkolleginnen weder aufgefallen, dass dieses Pferd degenerierte Gelenke hat, noch dass es sich mit der Zeit warmläuft, was auf Gelenkprobleme schließen lässt. Welche Auswirkungen der Hufbeschlag hat (z.B. degenerative Veränderungen der Gelenke) scheinen sie auch nicht zu wissen.

Daher habe ich mir einmal die Zeit genommen die Auswirkungen von künstlichem Hufschutz übersichtlich zusammenzufassen. Ich hoffe das hilft den Menschen, die sich gegen derartige Hirnwäsche wehren müssen, und mindert die Unwissenheit derjenigen, die ohne nachzudenken ihr Pferd beschlagen lassen und mit ihrem Unwissen auch noch andere bekehren wollen.

Darüber ob ein Beschlag beim Freizeitpferd (das sind ca. 99% der heutigen Pferde) überhaupt sinnvoll ist, habe ich mich bereits unter "Barhuf: Wieso, weshalb, warum ..." ausgelassen. Hier konzentriere ich mich auf die vielen Nebenwirkungen, mit denen Pferde mit künstlichem Hufschutz zu kämpfen haben.

Vergleich aus Sicht der Pferdegesundheit

Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die Nebenwirkungen von Hufschuhen und Beschlag. Sie erhebt allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Kriterium barhuf Hufschuhe Beschlag Folgen der Beeinträchtigungen
Hufmechanismus (dehnen, zusammenziehen und verwinden der Hufkapsel) voll funktionsfähig bei normal geformten (gesunden) Hufen -
je nach Modell mehr oder weniger eingeschränkt
--
deutlich eingeschränkt
kalte Hufe, schlechte Durchblutung, kein Gefühl, erhöhte Verletzungsgefahr, schlechter entwickelte Strahlpolster, Strahl und Hufknorpel
Hufpumpe (Durchblutung und Lymphfluss) voll funktionsfähig bei normal geformten (gesunden) Hufen -
je nach Modell mehr oder weniger eingeschränkt
--
deutlich eingeschränkt
Herz auf Dauer überlastet, da ihm 4 Hilfspumpen fehlen. Schleppender Abtransport von Giftstoffen durch die Lymphe.
Stoßdämpfer voll funktionsfähig bei normal geformten (gesunden) Hufen +/-
je nach Modell weniger Dämpfung, mit Einlagen mehr
--
70% weniger Dämpfung, bei Eisen zusätzliche Eigenschwingungen, die Knochen und Gelenke schädigen
nicht gedämpfte Stöße und Eigenschwingung von Eisen schädigen Knochen, Bänder, Sehnen und Gelenke
Tastsinn, Gefühl sehr gut o/-
beim JoggingShoe gut, sonst stark eingeschränkt
--
praktisch kein Gefühl im Huf: mangels Durchblutung fast völlig taub
Stolpern, Bänderdehnung, Verstauchungen
Fliehkräfte normal (nur das natürliche Gewicht des Hufs) -
zusätzliches Gewicht am Huf erhöht die Fliehkräfte
-
zusätzliches Gewicht am Huf erhöht die Fliehkräfte
Belastung von Bändern und Sehnen, Beeinträchtigung des natürlichen Gangbildes
Gangbild natürlich -
Beeinträchtigung durch zusätzliches Gewicht und Umfang der Schuhe. Z.T. natürliches Abrollen erschwert.
-
Beeinträchtigung durch zusätzliches Gewicht. Natürliches Auffußen (Trachtenfußung) erschwert.
unnatürlicher Bewegungsablauf führt zu Verspannungen und unnatürlicher Bemuskelung
Verteidigung normal o/-
normal bis eingeschränkt
--
Huf als Verteidigungswaffe ist gefährlicher, kann tödlich sein
erhöhte Verletzungsgefahr anderer Pferde (und Menschen)
Verletzungsgefahr normal -
erhöht durch evtl. Schleifen, Stolpern und Abtreten des Schuhs
--
erhöht mangels Gefühl und Stoßdämpfung, außerdem Tritt vom/aufs Eisen möglich
Blutergüsse, Zerrungen, Stürze
Griffigkeit Huf als natürlicher Schuh ist für alle Böden geeignet -
je nach Sohle und Boden etwas weniger Griffigkeit
--
rutscht auf vielen Böden
Stolpern und Zerrungen wenn zu griffig (z.B. mit Spikes), Zerrungen und Stürze wenn zu rutschig
mechanischer Schutz gut, natürlich nachwachsender Schutz +
sehr gut
-
durch Nägel und deren Löcher (oder Kleber) gestört, Nägel drücken eventuell
Eindringen von Pilzen und Bakterien, Quetschungen der Huflederhaut
thermischer Schutz gut, natürlich nachwachsender Schutz o
gut, Eigenerwärmung evtl. eingeschränkt
--
durch Nägel und deren Löcher gestört, praktisch keine Eigenerwärmung wegen eingeschränktem Hufmechanismus
Durchblutungsstörungen, Hufbeinsenkung, Rehe, Hufbeinrotation
Hornbildung / Abnutzung dem Boden angepasstes Horn wächst nach (optimal wenn Wachstum = Abnutzung) -
praktisch keine Abnutzung so lange der Hufschuh dran ist
--
praktisch keine Abnutzung, Hornqualität lässt nach, durch Nägel durchlöchert oder durch Kleber zerfressen
schlechte Hornqualität, lange abhebelnde Wände, größere Korrekturen bei der Hufbearbeitung nötig
Korrekturmöglichkeiten gut: Korrektur der Natur + häufige kleine Korrekturen möglich o
wie barhuf
--
oft zu große Bearbeitungsabstände, dann große Korrekturen. Besitzer kann zwischendurch auch nichts korrigieren
wenige große Korrekturen bei der Bearbeitung sind viel belastender für den Bewegungsapparat als viele kleine Korrekturen
Eiweißabbau Eiweiß wird für das Hornwachstum verbraucht o
wie barhuf
--
weniger Hornwachstum, weniger Eiweiß verbraucht, kann zu Eiweißüberschuss führen
überschüssiges Eiweiß belastet Leber u. Nieren
Lastverteilung Tragrand, Wasserlinie, Sohle und Strahl -
Tragrand, Wasserlinie und Strahl
--
fast nur Tragrand
Strahlpolster, Hufknorpel und Ballen unterentwickelt, Zehenfußung, Hufrollenprobleme
sonstiges Hat sich seit Millionen von Jahren bewährt. Ist das Ausreitgelände deutlich steiniger als der Stallboden, dann helfen Hufschuhe. Beeinträchtigung nur so lange die Hufschuhe angebracht sind: bei 5 Stunden pro Woche sind das gerade mal 3% der Zeit. --
Beeinträchtigung während der vollen 168 Stunden pro Woche!!!
Eingriffe in die Natur haben immer Nebenwirkungen. Der Mensch versucht dann gerne diese durch weitere Erfindungen mit neuen Nebenwirkungen zu bekämpfen.

Bei beschlagenen Pferden kommen dann alle 8 Wochen noch enorme physische Belastungen hinzu: Die Schläge beim Öffnen der Nagelniete. Das Abhebeln des Eisens. Und das Einschlagen der neuen Nägel. Oftmals sieht man den Hufen diesen Stress an: horizontale Ringe im Abstand von 15 bis 20 Millimetern.

Kunststoffbeschläge und Klebeschuhe haben ebenso fast alle Nachteile von Hufeisen. Und auch dabei handelt es sich um permanenten Hufschutz, der seine Nebenwirkungen rund um die Uhr entfalten kann. Kunststoffbeschläge haben teils einen Eisenkern und zudem meist eine Querstrebe, die den Hufmechanismus (in dem Fall vor allem die Ausdehnung des Hufs) noch mehr unterdrückt als ein Eisen. Bei geklebten Schuhen hat man es statt mit Nagellöchern mit aggressivem Klebstoff zu tun, der das Horn anfrisst. Zudem hat mir ein erfahrener Hufschmied verraten, dass das Hufhorn bei "weichen" Beschlägen auf Dauer ebenfalls weicher wird. Eigentlich logisch. Deshalb läuft die Umstellung von Hufeisen auf barhuf oft problemloser ab, als die Umstellung von Gummi oder Kunststoff auf barhuf.

Wie du siehst haben auch Hufschuhe viele der Nachteile von Beschlag. Der große Unterschied ist, dass sie selten mehr als 3 Prozent der Zeit angebracht sind. Die restlichen 97% bewegt sich das Pferd barhuf. Und es sollte sich in dieser Zeit auch wirklich bewegen damit sich die Hufe ans barhuf gehen gewöhnen können und die Hufschuhe immer seltener gebraucht werden!

Vergleich aus finanzieller Sicht

Wer ein gesundes Pferd haben will, der hat aus obiger Tabelle wohl nun gelernt, dass ein beschlagenes Pferd nicht auf Dauer gesund bleiben kann, und schon gar nicht damit gesund werden kann. Es soll aber auch Menschen geben, die sich mehr für die Kosten als für die Gesundheit des Pferdes interessieren. Dann rechnen wir es mal durch. Die Fahrtkosten lasse ich bei der Rechnung raus, da sie vermutlich in beiden Fällen gleich sind.

Alle 2 Monate Beschlag, spätestens jedes zweite Mal neue Eisen. Durchschnittlich 90 Euro pro Termin. Das ergibt 540 Euro pro Jahr. Dann kommen im Winter noch Grips und/oder Stollen dazu.

Ca. 10 Mal im Jahr Barhufbearbeitung für 35 Euro. Das ergibt 350 Euro pro Jahr. Sollten alle 2 Jahre noch ein Paar neue Hufschuhe für 200 Euro dazu kommen, dann sind wir bei 450 Euro pro Jahr. Gegenüber Beschlag immer noch 90 Euro weniger. Du Könntest dir jedes Jahr ein paar neue Hufschuhe kaufen um an die Kosten eines beschlagenen Pferdes heran zu kommen. Über technische Krücken gegen Aufstollen von Schnee musst du dir keine Gedanken machen. Bei winterlichen Bedingungen macht nur ein Barhufpferd richtig Spaß!

Wenn man dann nochmal in die Tabelle oben, rechte Spalte schaut, dann kann man bei einem beschlagenen Pferd noch mit einigen Kosten für Tierarzt und Physiotherapeuten rechnen. Zunehmend mit dem Alter des Pferdes. Vielleicht ist das auch ein Grund warum es eine wirklich erschreckende Statistik zum durchschnittlich erreichten Alter der Pferde in Deutschland gibt.

Schlussfolgerung

Die Natur hatte viele Millionen Jahre Zeit Pferdehufe zu entwickeln, die funktionieren. Es wäre wohl vermessen wenn ein Mensch behaupten würde er hätte in den letzten paar Jahren etwas besseres entwickelt. Der Mensch ist gut beraten wenn er dem Pferd ein Leben ermöglicht, das seiner Natur entspricht. Allerdings gehört dazu auch eine möglichst natürliche Haltung und Ernährung. Eisen abmachen, das Pferd 23 Stunden am Tag bewegungslos in seinem Urin stehen lassen, und dann 1 Stunde über Schotter galoppieren kann jedenfalls nicht funktionieren.

Hufschuhe können dem Pferd bei temporären Problemen helfen. Man kann sie auch nutzen um auf Böden ausreiten zu können, die das Pferd aus seinem Stall nicht kennt. Wenn man allerdings immer wieder auf Schotterwegen reiten will/muss, dann sollte man dem Pferd auch im Stall die Chance geben sich rund um die Uhr an diesen Untergrund zu gewöhnen. Denn Hufe sind erstaunlich anpassungsfähig, man muss ihnen nur eine Chance zur Anpassung geben.

Wenn du es bis hierher geschafft hast und ein beschlagenes Pferd hast, dann suchst du jetzt vermutlich einen guten Barhufpfleger. Schau mal auf der Seite des Keep it natural e.V. oder beim Barhufinstitut.

Wenn du es bis hierher geschafft hast und ein Barhufpferd hast, dann bist du dir jetzt hoffentlich absolut sicher, dass du eine gute Entscheidung getroffen hast. Das Halbwissen und Unwissen der Besitzer von beschlagenen Pferden wird dich in Zukunft wohl nicht mehr in Gewissensnöte bringen.


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